Furiose Frauen Front: Battle Beast, Alpha Tiger und The Order Of Chaos im Backstage

Backstage, 23.11.2015
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An der female fronted-Front gestaltet sich das derzeit ja durchaus zum heißen Herbst: zwischen dem Elfen-Aufmarsch mit Delain, Anneke und Amberian Dawn und dem bevorstehenden Gastspiel des Genre-Flaggschiffs Nightwish Anfang Dezember geben sich auch die finnischen Senkrechtstarter von Battle Beast die Ehre. Das dürfen wir natürlich in keinster Weise verpassen, immerhin konnten wir uns von den mannigfaltigen Qualitäten dieser furiosen Formation schon einmal livehaftig überzeugen, als sie bei der vorletzten Wolfsnächte-Tour für Powerwolf einheizten. Erwartungsfroh pilgern wir also in Richtung Backstage, wo man die Ansetzung im kuschligen Club anberaumt hat – nebenan sorgen gerade die alten Herren von Therapy (Fragezeichen nicht vergessen) für Auftrieb, so dass das Gelände durchaus von Besuchern schwärmt.

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Auch im Club selbst herrscht schon zu den Klängen der ersten Formation keinesfalls Leere oder Langeweile. Ganz im Gegenteil können sich die Kanadier von The Order Of Chaos gleich über mehrere Dinge freuen: zahlreiches Publikum, gute Stimmung und eine deftige Club-Atmosphäre. Die springt sichtlich auf die Kapelle über, deren Fronterin Amanda Kiernan in glitzerigem Oberteil ebenso brilliert wie mit einer kräftigen, eher rauen Stimme. Der ruppige Sound, der mit viel Material von der neuen Langrille Apocalypse Moon der klassischen schwermetallischen Schule vom Schlage Judas Priest huldigt, kommt bestens an, die den Club bald komplett füllende Meute von ungefähr 300 Nasen goutiert das Geschehen dementsprechend wohlwollend. Frau Kiernan bangt mit den Angereisten um die Wette, mischt sich in die Zuschauer und gewinnt auch so jede Menge Sympathiepunkte. Reife Leistung, und meine üblichen Sprüche über Vorgruppen und Salatschleudern kann ich mir künftig wohl zunehmend sparen.  

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Danach landet die Zeitmaschine – wir steigen gerne ein, führt sie uns doch geradewegs in die Mitte der 80er, als Helloween noch Großtaten vollbrachten und der teutonische geprägte Powermetal im Zenith stand. Denn exakt diesen Sound holen die Jungs von Alpha Tiger sehr frisch ins hier und heute: mit klassischstem Klanggewand und ebensolchem Beinkleid (wahlweise offene Turnschuhe, Converse-Latschen und Magnum-Gedächtnis-Turnhosen) zelebrieren die Tiger den Metal in seiner reinen Form. Nach einer kleinen Aufwärmphase für Band und Publikum geht die Post zunehmend ab, der unverschämt jung wirkende Fronter Stephan Dietrich macht uns den authentischen Michael Kiske (bzw. Bruce Dickinson in der Beast-Phase) komplett mit Mikro-Ständer-Schwung und launigen Ansagen. Bei Nummern wie „From Outer Space“ oder dem hervorragenden, melodischen „Long Way Of Redemption“ posieren die Herren wie die Großen, fordern zwischendurch, dass wir für die kommenden Attraktionen, die schon warten, „mal lauten Lärm“ machen, und überzeugen nach weiteren Darreichungen bis zum finalen „We Won’t Take It Anymore“ doch auf ganzer Linie.          

Mittlerweile ist es gesteckt voll, die Erwartungshaltung steigt spürbar, und als dann hinter dem Drumkit das auf Club-Dimensionen angepasste Bandlogo aufgerollt wird, machen wir uns bereit. Schlagzeuger Pyry Vikki gebärdet sich auf dem Drumkit stehend als Herkules, der Rest der Formation marschiert ebenfalls flugs auf und steigt mit „Far Far Away“ schmackig ins Geschehen ein. Und dann stürmt sie auch schon heran, im wehenden Ledermantel, Hochabsatz-Schuhwerk und angeklebten Wimpern, vor denen selbst der/die/das Divine Respekt gehabt hätte: Frontdame Noora Louhimo, seit 2012 in Diensten von Battle Beast, nimmt uns mit auf eine Reise durch blitzsauberen Traditionsmetal, den sie durch ihren markanten Gesang unverwechselbar macht.

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Genauso weit weg von Trällerelse wie von Grunzfrau, wandelt sie eher auf den Pfaden der leider nur viel kurz in der Szene aktiven Jutta Weinhold, deren Organ die beiden Epen von Zed Yago krönte: ausdrucksstark, rauh, aber auch immer melodisch und treffsicher. Dazu breiten ihre Mitstreiter, angeführt von Basser, Wort- und Rädelsführer Eero Sipilä, einen Teppich aus mitreißenden schwermetallischen Songs, die Eingängigkeit mit scharfer Kante zu einem wahren Hitfeuerwerk verbinden. Die Formation konnte nicht umsonst 2010 den Metal Battle Contest in Wacken für sich entscheiden: Songs wie „Let It Roar“ oder „Out In The Streets“ gehen sofort ins Ohr und fahren der anwesenden Schar ebensogleich ins Tanzbein. Dazu trägt nicht nur die starke stimmliche Leistung, sondern auch die beeindruckende Bühnenpräsenz der Dame bei, die den Eindruck vermittelt, dass diese Kombo eigentlich in eine viel größere Arena gehört. Keyboarder Janne Björkroth muss sich zwar sagen lassen, keiner sei wegen irgendwelcher Disco-Sounds gekommen – einen Gag, den die Menge mit einem skandierten Scooter-Song gepflegt auflaufen lässt -, legt aber einen Bombast-Melodie-Teppich, der sich nahtlos ins Gesamtwerk einfügt. Zu den weiteren Nummern von der Marke melodischer Heavy Rock – man serviert uns unter anderem „Neuromancer“ und „Into The Heart Of Danger“ – wirft Frau Louhimo dann endgültig die Winterkleidung von sich und rockt von da an im standesgemäßen Lederteil.

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„Black Ninja“ kracht mit Stampferhythmus ordentlich rein, bevor dann ein klein wenig Unfug mit Instrumental-Einlagen und Biertrinken („who wants to share this beer with me?“ – „mir trinkan koana Noagal!!“, weht es zurück) getrieben wird. Die Comedy haben Steel Panther besser drauf – hier bitte Fokus auf die Musik, die mit dem Titeltrack des neuen Albums „Unholy Savior“ wieder in den Mittelpunkt rückt. Neben heavy, speed, power, true und untrue metal gebe as auch dance metal, so die Frontfrau, und den kredenzen sie uns auch noch schmissig, bevor es mit „Show Me How To Die“ und dem schweren Geschütz „Enter The Metal World“ in die letzte Runde des Abends geht. Der besorgte Blick auf die Uhr zeigt eine Spielzeit von gut 80 Minuten, aber sie versichern uns noch schnell, dies sei ihre erste europäische Headliner-Tournee, das sei ein wirklich spezieller Abend (wir glauben das gerne, das wirkt authentisch), und es gibt mit „Out Of Control“ noch eine letzte Sause zu bestaunen. Jetzt ist dann aber wirklich Ende, und zum Gitarren-Thema aus Top Gun (wie passend – 80er eben) entströmen wir der hitzigen Club-Atmosphäre. Das war mehr als nur ein Ausrufe-Zeichen: wenn sie so weitermachen, dürfen wir dieser Kombo noch Großes vorhersagen. Machen wir dann hiermit mal gleich.